Jack kam Ende Februar 2006 mit ca.10 Wochen zu mir. Ohne das ich gewusst habe was mich erwartet. Vor der Autofahrt (mit meiner Nachbarin ,die sich eigentlich nen Hund holen wollte) war die große Euphorie da, während der Autofahrt die ganzen Zweifel: Ist denn auch ausreichend für nen Hund gesorgt????Als ich da war und ich ihn sah war alles wie weggeblasen. Und wie es dann ist ohne "richtige" Hundeerfahrung mit genommen. Jetzt im nachhinein hätte ich alles anders gemacht. Wie heißt es so schön: Im nachhinein ist man immer schlauer?
Während der Autofahrt kamen dann doch wieder Zweifel.
Da ich eine neue Arbeitsstelle angefangen habe konnte ich kein Urlaub nehmen, also wurde alles Organisiert damit er nicht alleine bleiben muss. Mein ganzes Leben hatte sich von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt.
Die Ersten Monate verliefen reibungslos. Draussen hörte er wie eine Eins Plus. Natürlich passierte zu Hause das ein oder andere Malör. Ich habe es auf einen Schichtdienst geschoben u so vergingen Monate und Jack wurde nicht "sauber". Im Gegensatz es wurde immer schlimmer.
Ca. ab den 6. Monat fing er an mir in die Wohnung zumachen sobald ich nur kurz zur Toilette musste. Egal ob wir vorher 10 Min. draussen waren oder 2 Std.
Einmal ist es vorgekommen, da kam ich gerade ausn Bad, war mich natürlich total am freuen das er nirgends hingepiselt hat, sah wie er sich auf die Couch stellt, mich anschaut und lospieselt. Man war ich am toben.
Jack war auch ein sehr begabter Innenarchitekt.
Von meinen heißgeliebten Kakteen bis zur Tapete blieb nix stehn. Vom PVC-Boden ganz abgesehn.
Es war dann auch die Zeit, als er beim ersten Mal Rufen nicht kam und man dachte: ach ja er kommt ja beim zweiten Mal. Das artete natürlich soweit aus, das er nur noch kam wann ER wollte und mich überhaupt nicht mehr ernst nahm.
Wenn ich ihn angemeckert habe, wedelte er vergnügt mit der Rute u wartete nur bis er wieder losspurten durfte.
Habe dann viel gelesen und manche Sachen funktionierten, sodass er auch ab und an kam, wenn ich ihn gerufen habe. Aber das gelbe vom Ei war es nicht.
Wenn ich interessiert in meiner Tasche aufn Boden rumwühlte, schaute er mich kurz an u ging weiter. Wenn ich mich hinterm Baum versteckt habe ging er weiter.......
Mit anderen Hunden durfte er auch nicht mehr spielen, sondern nur noch mit mir. Was sehr schwierig zugestalten war, denn Bälle und alle möglichen Quitscheteile waren draussen uninteressant, genauso wie die Fleischwurst oder auch andere Leckerchen.
Nach ca.3 Monaten Übung fruchtete nichts aber auch gar nichts. Die Tipps von sogenannten Hundetrainern ließen mich immer mehr Schritte zurück fallen. Je sturer ich wurde, desto sturer wurde Jack. In der Zeit wollte ich schon gar nicht mehr von der Arbeit nach Hause, heulte abends wie ein Schlosshund, hatte Gedanken gehabt ihn abzugeben. Das ging so bis zu seinem 1. Lebensjahr. Mal hörte er mehr mal weniger. Ich selbst hatte somit Höhen u Tiefen. Da er schon ein wenig besser hörte gab ich mich damit zufrieden.
Jack ist zwar immer im Umkreis von mir geblieben, aber dennoch tat er oft das Gegenteil was ich von ihm wollte. Drinnen hingegen hörte er wie eine Eins. Er war dann mittlerweile stubenrein und hat den Job als Innenarchitekt an den Nagel gehängt.
Im Dezember 2006 kurz vor seinem 1. Lebensjahr wurde Jack kastriert. Ich war immer gegen eine Kastration, aber sobald nur 10 Min. vorher eine läufige Hündin da war, lief er der Spur nach bis zu deren zu Hause oder bis zur Hauptstraße und dann wieder zurück.
Ich erhoffte mir auch dadurch das er ruhiger wird, aber Pustekuchen. Jack ignorierte mich teilweise immer noch. Erst recht wenn er andere Hunde gesehen hat. Ich konnte gerade mit ihm eine Übung machen in der er in meinen Augen Feuer und Flamme war und im nächsten Moment spurtete er los. Egal ob er den Hund kannte oder nicht, begrüßte ihn und kam wieder zurück. Jack hatte immer das Glück im Unglück das ihn kein Hund wegbissen hat oder ähnliches.
Sobald ich mich mit ihm draussen keine Minute beschäftigt habe, war er weg u ignorierte mich.
Das er nach Fährte jagd ist mir somit auch viel zu spät aufgefallen.
Vögel und Eichhörnchen waren kein Problem, aber sobald Hasen oder Katzen in der Nähe waren und noch dazu der Wind richtig stand war er auch weg. Erst ne Minute, dann 2 Minuten und irgendwann durfte ich an Glanztagen 20 Minuten auf ihn "warten". Trotzallem das ich weitergegangen oder gerannt bin um auf mich aufmerksam zu machen schaute er mich kurz an und verschwand im Gebüsch. Wenn er zurück geflitzt kam und ich nicht mehr da war ließ er sich von nix abhalten um mich zusuchen. Wirklich kleiner Trost. Das brachte mich aber auf die Idee mich auf nen Baum zusetzen. 20 Minuten verharrte ich dort. 10 min davon war Jack weg und in der restlichen Zeit suchte er meine Spur. Danach hörte er ungewöhnlich gut. Nunja ich konnte mich ja nicht ständig auf einen Baum setzen.Zumal nicht immer ein Baum in der Nähe war und davon mal ab ich an Höhenangst leide und es mir immer erst dann bewusst geworden ist, wenn ich schon auf dem Ast saß.
So verging die Zeit und Jack hörte immer besser in meinen Augen. Ich übersah aber das es kein "freudiges" kommen war. Ich kannte auch kein anderes Kommen von ihm oder ich habe es in diesen Momenten einfach nicht gesehen. Genauso wie ich es nicht gesehen oder besser gesagt ernst nahm, das Jack jede kleine Gelegenheit nutzte um auf die Jagd zugehen. Ich glaube ich fühlte mich einfach mittlerweile ratlos und war auch teilweise wütend, aber ich ließ ihn irgendwo "gewähren". So kam es wie es kommen musste.
Ich übernahm im Oktober 2007 Ronja, mit dem Irrglauben beim Jack fehlt "nur" noch der Feinschliff. Ja von wegen. Jack flitzte ins Gebüsch, man hörte ihn janken, danach rascheln im Gebüsch und dann sah man einen stolzen Jack mit einem Hasen in der Schnauze zu mir ankommen!
Tja, die Gefühle die ich in diesen Moment hatte, kann man nicht beschreiben. Ich hatte das Gefühl 100 Schritte zurück geworfen zuwerden. Denn Jack reagierte nicht mehr so auf mich wie davor.
Danach sahen meine Tage nur noch so aus: Arbeiten, Hunde (Jack an der Schleppleine), wenn die Hunde geschlafen haben, saß ich bis nachts noch am Computer um mir Dinge übers Jagen durchzulesen, Berichte wie AJT oder wie halte ich meinen Hund vom jagen ab habe ich förmlich verschlungen.
Habe dann draussen angefangen mit Suchspielen, Spiele im Allgemeinen und hab verschiedene Leckerchen probiert. Ein AJT habe ich auch versucht zu machen, nur leider passte das nie mit meinen Schichten zusammen. Also musste ich mir was bis zu den nächsten Terminen einfallen lassen. Und es sind wahrhaftig Fischsprossen. Ich hätte ne Fleischwurst, Leberwurst oder Katzenfutter werden können, er hätte mich ignoriert. Ja endlich ne Geheimwaffe. Meine Erziehungsmethoden gingen in verschiedene Richtungen. Von jedem etwas und es funktioniert.
Wobei ich auch denke das Ronja auch einen Teil dazu beigetragen hat.
Denn er hat wenn er mit mir gespielt hat Ronja als "Ausweichmöglichkeit" genommen. Ich hab es immer wieder unterbrochen. Genauso umgekehrt, wenn ich mit Ronja gespielt habe versuchte Jack sich dort förmlich zwischen zudrängen, was ich auch nicht geduldet habe.
Mittlerweile gehen wir drei oft alleine spazieren. Jack macht mit Freude alle Übungen, bleibt bei mir in der Nähe, schaut sich sehr oft nach mir um, wenn er wirklich unter Ablenkung von seinen Kumpels "abhaut" ist er binnen 5 Sekunden da und wartet darauf das wir was "tolles" machen. Sogar an Stellen wo er früher zum Jagen abgehauen ist, kann ich nun spazieren gehen. Natürlich nur mit einem großen Auge auf Jack geworfen und ein paar kleinen Übungen, so dass ich immer interessant bleibe. Ein "Nein" reicht jetzt vollkommen aus. Bei Unsicherheit meinerseits wird Jack einfach angeleint. Jack hat da ein besonderes Gespür für.
Ansonsten kennen wir mittlerweile ein paar Gebiete wo sich die Hasen nicht so tummeln und Jack somit kein bzw wenig Jagdtrieb hat.
In wildreichen Gebieten bleibt Jack weiterhin angeleint bzw gesichert durch eine SL.
Bei fremden Hunden oder auch Hunden die er flüchtig kennt, kann ich ihn abrufen, genauso wie aus dem Spiel heraus. Ab und an kommt nun der Fragende Blick: Darf ich? Er nimmt jetzt jedes Leckerchen an, sogar sein TroFU bei Übungen. Natürlich gehört noch viel dazu, aber wenn man das glückliche Gesicht sehen kann beim Abruf von ihm, weiß man das man auf dem richtigen Weg ist.....
Ich möchte anderen Leuten einfach auch nur Mut machen das es zu schaffen ist. Egal ob ein Hundetrainer oder andere "Fachleute" raten den Hund abzugeben aufgrund -ich nenne es- mangelnde Hundekenntnissen. Natürlich dauert das seine Zeit, vorallem wenn man keinen wirklich guten Hundetrainer/Hundeschule etc an seiner Seite hat, aber es lohnt sich wirklich. Hätte mir jemand "das Heute" erzählt, hätte ich ihm wohlmöglich den Vogelgezeigt.
Und wenn man Jack jetzt sieht zeigen mir die Leute die ihn nicht kennen wohlmöglich den Vogel.

